
Die europäischen Bildungsminister haben sich im Berlin-Kommuniqué dafür ausgesprochen, „einen Rahmen vergleichbarer und kompatibler Hochschulabschlüsse für ihre Hochschulsysteme zu entwickeln, der darauf zielt, Qualifikationen im Hinblick auf Arbeitsbelastung, Niveau, Lernergebnisse, Kompetenzen und Profile zu definieren. Sie verpflichten sich ferner, einen übergreifenden Rahmen für Abschlüsse im Europäischen Hochschulraum zu entwickeln“. Erfolg und Akzeptanz eines Europäischen Qualifikationsrahmens werden davon abhängen, ob er einen Mehrwert hinsichtlich der beabsichtigten größeren Transparenz der Bildungssysteme bietet.
Die Tagung verfolgt das Ziel, den aktuellen Sachstand der Erarbeitung des deutschen Qualifikationsrahmens für den Hochschulbereich vorzustellen sowie Nutzen und Grenzen dieses Vorhabens zu diskutieren. Hierfür werden insbesondere die Entwicklungen in anderen Ländern und auf der europäischen Ebene berücksichtigt. Neben dem deutschen Entwurf werden das schottische sowie das bisher vorliegende europäische Modell vorgestellt.
Ein Qualifikationsrahmen kann je nach Kontext des Bildungssystems wichtige Funktionen in der Qualitätssicherung, der Curriculumsentwicklung sowie bei der Verbesserung der Durchlässigkeit unterschiedlicher Bildungssysteme wahrnehmen. Potenziale und Grenzen eines Qualifikationsrahmens in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sollen im Mittelpunkt der Diskussion in den Workshops stehen.
Qualifikationsrahmen - Januar 2005
Stand der Umsetzung der Bologna-Reformen in Europa
Christian Tauch, Hochschulrektorenkonferenz
Dr. Sybille Reichert, Reichert Consulting Policy and Strategy Development in Higher Education
Trends IV – Vorstellung der europäischen Studie zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses
Modelle im internationalen Vergleich
Mogens Berg, Ministerium für Wissenschaft und Technik Dänemark, Vorsitzender der Arbeitsgruppe
Qualifikationsrahmen im Bologna-Prozess
Gerard Madill, Universities Scotland
Potentials and Limits of a Framework of Qualifications
Christian Tauch, Hochschulrektorenkonferenz
Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse
1. Workshop: Qualifikationsrahmen und Curriculumsentwicklung
Im Unterschied zur bisher üblichen Definition eines Studiengangs über die Studieninhalte ermöglicht ein Qualifikationsrahmen die Beschreibung eines Studiengangs anhand der Qualifikationen, die der Absolvent nach einem erfolgreichen Abschluss erworben haben soll. Dabei kommt dem Qualifikationsrahmen die Funktion eines Referenzrahmens zu, den es für die einzelnen Studiengänge zu füllen gilt. Ziel des Workshops ist ein Erfahrungsaustausch über die mögliche „Umsetzung“ des Qualifikationsrahmens in Konzepte für Curricula.
Professor Dr.-Ing. Manfred Hampe, Fachbereich Thermische Verfahrenstechnik, Technische Universität Darmstadt
Curricula für Studiengänge der Verfahrenstechnik des Bio- und Chemieingenieurwesens an Universitäten und Fachhochschulen
2. Workshop: Qualifikationsrahmen und Qualitätssicherung
Outcomeorientierung von Studiengängen stellt auch die Qualitätssicherung in Lehre und Studium vor neue Herausforderungen. Wie lässt sich der Wechsel von Input- zu Outcomeorientierung in Evaluations- und Akkreditierungsverfahren operationalisieren? Welche Rolle kommt dabei einem Qualifikationsrahmen zu? Wie verhalten sich Qualifikationsrahmen, Studiengangsentwicklung und Akkreditierungskriterien zueinander? Ziel des Workshops ist es, anhand des britischen Beispiels Anforderungen an die Fortentwicklung der Verfahren in Deutschland zu formulieren.
Dr. Achim Hopbach, Hochschulrektorenkonferenz
What do „subject benchmark statements“ mean to quality assurance?
Professor Dr. Jürgen Kohler, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Universität Greifswald
Outcomeorientierung in der Akkreditierung von Studiengängen
3. Workshop: Qualifikationsrahmen und Durchlässigkeit
Der Qualifikationsrahmen soll nicht zuletzt der Transparenz des gesamten Bildungssystems dienen. Er definiert Zugangs- und Ausgangspunkte sowie Überlappungen zwischen Studien- und Ausbildungsverläufen und die relative Positionierung von Qualifikationen zueinander. Der Workshop geht anhand zweier Erfahrungsberichte der Frage nach, inwieweit ein Qualifikationsrahmen die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen zu fördern vermag.
Jörg Schäfer, Deutsche Bahn AG, Leiter Bildungsstrategie und -politik
Wege zu mehr Durchlässigkeit aus Sicht der Deutschen Bahn
Dr. Mario Seger, Institut für Soziologie, Technische Universität Darmstadt, ProIT Professional
Brückenschlag zwischen beruflicher Weiterbildung und Hochschule
Zusammenfassung der Diskussion
- Fazit der Tagung -
Aus der Tagung lassen sich vier Punkte hervorheben:
1. Der Qualifikationsrahmen ist offensichtlich ein Schlüsselinstrument für die Erreichung einiger der zentralen Ziele im Bologna-Prozess, Transparenz der Hochschulsysteme, Verständlichkeit der Abschlüsse, Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, Mobilität der Studierenden.
2. Die Implementierung und Anwendung von Qualifikationsrahmen in anderen Ländern geben zu Optimismus bezüglich eines erzielbaren Erfolgs Anlass. Jedoch sind auch die Grenzen zu beachten: Mit dem Qualifikationsrahmen steht den Hochschulen ein Schlüsselinstrument zur Verfügung, nicht aber den Stein der Weisen.
In der deutschen Hochschulreformdiskussion der letzten Jahre wurde gab es die Tendenz jede Reform und jedes Reforminstrument mit Ansprüchen zu überfrachten. Es entstand zum teil die Erwartung oder der Anspruch, mit der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen, mit der Einführung von ECTS, mit der Modularisierung, würden alle Probleme in Studium und Lehre gelöst. Man sollte sich eine realistischere Betrachtungsweise angewöhnen, auch im Zusammenhang mit dem Qualifikationsrahmen.
3. Wichtig für den Erfolg eines Qualifikationsrahmens ist es, sich den Wesensgehalt, die zentralen Charakteristika eines solchen Qualifikationsrahmens immer wieder vor Augen zu führen:
- Es geht nicht um ein neues Instrument der externen Kontrolle, es geht um Transparenz und Vertrauensbildung.
- Es geht eher um Übersetzungshilfen, es geht nicht um ein neues Regulierungsinstrument.
- Es geht um Verantwortung der akademischen Seite, Verantwortung der Disziplinen und nicht um ein neues staatliches Steuerungsinstrument.
4. Als zukünftige Aufgaben stellen sich allen beteiligten Partnern folgende Herausforderungen:
- Erarbeitung eines Qualifikationsrahmens für das gesamte deutsche Bildungssystems, nicht additiver unverbundener Qualifikationsrahmen für die unterschiedlichen Bildungsbereiche.
- Verhältnis von Qualifikationsrahmen und fachspezifischer Qualifikationen.
In den Disziplinen gibt es unterschiedliche Einschätzung hinsichtlich der Frage, ob fachspezifische Ergänzungen zum Qualifikationsrahmen vorgenommen werden können und sollen
- Der Qualifikationsrahmen darf sich nicht zu einem detaillierten Regulierungsinstrument entwickeln.
Daher ist es von ganz zentraler Bedeutung, in der Fortentwicklung dieses ersten Entwurfs und in der Implementierung sehr eng mit allen Partnern zusammenzuarbeiten.
Die Hochschulrektorenkonferenz wird ausgehend von dieser Tagung auf die Partner zugehen und Wege suchen, wie ein solcher Qualifikationsrahmen entwickelt werden kann.