Germanistik im Europäischen Hochschulraum. Studienstruktur, Qualitätssicherung und Internationalisierung
Germanistik im Europäischen Hochschulraum - Internationale Tagung von DAAD und HRK
Am 16. bis 18. Juni führten der DAAD und die Service-Stelle Bologna der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Germanistenverband und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die Tagung 'Germanistik im Europäischen Hochschulraum. Studienstruktur, Qualitätssicherung, Internationalisierung' durch. Über 120 Vertreter der germanistischen Fächer aus 24 Ländern haben über die Zukunft des Faches im Kontext der Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses diskutiert.
"Der Bologna-Prozess führt einerseits zu einer wünschenswerten Praxis- und Berufsorientierung des Studienangebots. Zugleich bietet er andererseits auch Raum - gerade in den Geisteswissenschaften - für eine Straffung und Intensivierung der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Diese Veränderungen sind notwendig, denn anders als Wilhelm von Humboldt, der eine Spitzengruppe jedes Jahrgangs vor Augen hatte, kommen heute ca. 39% (2003) eines Jahrgangs an die Hochschulen, und dieser Prozentsatz soll noch steigen. Der Anspruch der Wissenschaftlichkeit eines Studiums wird damit aber nicht aufgegeben. Es muss um eine sinnvolle Aufteilung und graduelle Steigerung dieses Anspruchs von der primären (Bachelor) über die sekundäre (Master) bis zur tertiären Studienphase (Promotion) gehen." Mit diesen Forderungen eröffnete der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Schirmherr der Veranstaltung, Professor Dr. Dres. h.c. Wolfgang Jäger, die internationale Tagung. Auch die Präsidenten von DAAD und HRK, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Theodor Berchem und Professor Dr. med. Peter Gaehtgens, haben sich in ihren Eröffnungsvorträgen für den Bologna-Prozess ausgesprochen und die Reformen begrüßt. Die Wissenschaftlichkeit des Studiums sei ein wichtiges Markenzeichen der universitären Ausbildung in Deutschland, die jedoch keinen Gegensatz zur Berufsfeldorientierung darstelle.
Während am ersten Tag in zwei weiteren Vorträgen (Professor Dr. Thomas Anz, Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes und Frau Professor Dr. Speranta Stanescu, Universität Bukarest) sowie in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation der Generalsekretärin der HRK, Frau Dr. Ebel-Gabriel, die Standortbestimmung und Neuorientierung des Faches im Europäischen Hochschulraum diskutiert wurden, ging es in den nächsten beiden Tagen um konkrete Fragen und Herausforderungen. Dabei wurden das Projekt 'TUNING Educational Structures in Europe', der deutsche Qualifikationsrahmen bzw. die britischen subject benchmarks und unterschiedliche bereits existierende Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich der Germanistik vorgestellt sowie über die Akkreditierungsverfahren in den Geisteswissenschaften diskutiert. In vier Arbeitsgruppen, die sich an den einzelnen Teildisziplinen der Germanistik orientierten, wurden mögliche internationale Kerncurricula besprochen, die Arbeit soll im Rahmen von Einzeltagungen fortgesetzt werden. Bei der Germanistischen Mediävistik liegt bereits ein entsprechendes Konzept vor (Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes Heft 1 / 2005). Am letzten Veranstaltungstag wurden die Umsetzung unterschiedlicher Elemente des Bologna-Prozesses wie Mobilität, Anerkennung und Diploma Supplement sowie weitere für die Germanistik relevanten Gebiete wie Sprachvermittlung, Lehrerausbildung oder Promotionskollegs thematisiert.
Ein wichtiges Ergebnis ist die vereinbarte Gründung eines virtuellen 'International Center for PHD Programms in German Studies', das in Kooperation mit ausländischen Universitäten in Deutschland von den Universitäten Göttingen (Prof. Dr. Gerhard Lauer) und Freiburg (Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer) betreut werden und im Rahmen der Netzwerkinitiative
www.germanistik-im-netz.de zugänglich gemacht werden soll.
Im Vorfeld der Tagung fand ein internationales Treffen der Vorsitzenden der Germanistenverbände sowie weiterer Vertretern der Auslandsgermanistik statt, bei dem die Einrichtung einer internationalen Arbeitsgruppe beschlossen wurde, die über die Tagung hinaus die europäische Abstimmung der unterschiedlichen Interessen und Curricula der germanistischen Studienkonzepte vorantreiben und eine Netzwerkinitiative Germanistik in Europa aufbauen soll. Die vom DAAD unterstützte Arbeitsgruppe wird beim
Deutschen Germanistenverband angesiedelt sein.
Nach der Tagung hat sich zudem eine zweite informelle Arbeitsgruppe konstituiert, deren Interesse darin besteht, die Kompetenzen der nach Deutschland kommenden und ins Ausland gehenden Studierenden soweit zu definieren und abzustimmen, dass diese Studierenden an den jeweiligen Gastuniversitäten optimal eingestuft und betreut werden können. Zu diesem Zweck soll auch über neue Angebote an deutschen und ausländischen Universitäten nachgedacht werden.
Die Arbeitsergebnisse und Referate der Tagung werden in Zusammenarbeit von HRK, DAAD und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in einem Reader veröffentlicht.
Alle Downloads auf einen Blick:
Tagungsprogramm [Größe 0.33 MB, Typ pdf]
Pressemitteilung [Größe 0.05 MB, Typ pdf]