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Internationale Bologna-Konferenz in Berlin


Bild zum InhaltHRK fordert mehr Freizügigkeit für mobile Forscher im Europäischen Hochschulraum – Klärungsbedarf bei der Mitnahme von Pensionsansprüchen

Fotos der Tagung

Berlin, 13.06.08 – Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat sich für die Förderung der Freizügigkeit von Studierenden und Wissenschaftlern im Europäischen Hochschulraum ausgesprochen. Auch empfiehlt die HRK länderübergreifend mehr Informationsaustausch bei der Mitnahme von Altersversorgungsansprüchen. Dies ist das Fazit der zweitägigen internationalen Bologna-Konferenz „Penalized for Being Mobile“ der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Berlin. Rund 110 Teilnehmer erarbeiteten in Workshops neue Ansätze zur Lösung bestehender Fragestellungen. „Das Problem der Altersversorgung für mobile Forscher ist im Rahmen des Bologna-Prozesses nahezu neu“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel zum Auftakt der Veranstaltung. Sie hoffe, dass diese Konferenz weitere Impulse für die Diskussion von mobilen Hochschulmitarbeitern in Europa geben werde. „Angesichts der Zunahme internationaler Kooperationen müssen unsere Universitäten weltoffener werden“, forderte sie. Ralph Lorz vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sagte, dass eine ausreichende Transparenz der Regelungssysteme erforderlich sei. „Mobilität hat insbesondere im Europäischen Hochschulraum zugenommen und diese positive Tendenz sollte Hürden beseitigen“, erklärte er. Die Situation der Regelsysteme sei in Deutschland sehr komplex und natürlich auch in Europa, ergänzte Anneli Pauli von der EU-Kommission. Aber Mobilität sei ein wichtiger Teil im Bologna-Prozess, daher müssten die derzeitigen Probleme beseitigt werden. „Wo ein Wille, da auch ein Weg“, sagte sie.

Nach den Grußworten berichteten zwei junge Wissenschaftler anhand ihrer Lebensläufe über die Problematik von Mobilität in Zusammenhang mit der Mitnahme von Altersversorgungsansprüchen innerhalb des Europäischen Hochschulraums. So beklagte der rumänische Forscher Petre Badica, der zurzeit an der Universität Mainz lehrt, dass die derzeitigen Regelsysteme nicht übertragbar seien, teilweise nur lokal bzw. einfach nicht existierten. In Deutschland könne er beispielsweise auf keine positiven Erfahrungen zurückgreifen. So seien allein schon bei der Haussuche, auf dem Einwohnermeldeamt oder bei der Anmeldung im Kindergarten Probleme aufgetreten. „Diese Erfahrungen sind stressig, unfreundlich und auch manchmal diskriminierend“, sagte Badica. Hingegen seien die Behörden in Japan seinerzeit sehr entgegenkommend gewesen und hätten seine Familie und ihn sehr unterstützt.
Dagmar Meyer vom Verband irischer Universitäten (IUA) erklärte, dass eine private Vorsorge, wie Riester Rente oder Lebensversicherungen, für mobile Wissenschaftler unerlässlich sei. Sie selbst besitze mittlerweile neun Renten-Verträge und glaube oftmals den Überblick über die eigene Altersvorsorge zu verlieren. Allerdings habe sie auch gute Erfahrungen gesammelt. „Dennoch ist es oftmals bürokratisch und alle Vorgänge sind mit viel Papierkram verbunden.“
Anschließend präsentierten die britischen Forscher und Rapporteure Louise Ackers und Liz Olivier von der Universität Liverpool ihre neue Studie zur Mobilität und zur Altersvorsorge. Dabei berichteten sie über entsprechende Erfahrungswerte von Forschern aus unterschiedlichen Ländern. Ackers resümierte: „Man muss in dem Zusammenhang über neue Möglichkeiten der Alterversorgungsansprüche für Wissenschaftler nachdenken. Dies wird im Rahmen des Bologna-Prozesses immer dringlicher.“

In der anschließend von HRK-Vizepräsident Klaus Dicke moderierten Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmer über neue politische Ansätze zur Rente und über Möglichkeiten zur Altersversorgung. Leonardo Sforza von Hewitt Consulting sagte, dass in Umfragen europaweit die Themen Altersvorsorge und Rente zu den wichtigsten Fragestellungen zählten. „Gerade junge Menschen zwischen 25 und 40 haben überhaupt kein Vertrauen in die Rente. Wir benötigen Lösungen, Partnerschaften und länderübergreifende Abkommen“, sagte Sforza. Birger Hendriks vom schleswig-holsteinischen Wissenschaftsministerium stimmte Sforza zu: „Der Glaube in die staatlichen Rentensysteme fehlt. Die Forscher sind auch zu wenig informiert.“

Karoline Holländer vom Europäischen Verband für Nachwuchsforscher (EURODOC) plädierte für eine Umfrage, um Klarheit über die künftige Vorgehensweise zu schaffen. Dies befürwortete auch Massimo Serpieri von der EU-Kommission und ergänzte: „Wissenschaftler werden oftmals zur Mobilität gezwungen, da ihre Verträge häufig befristet seien. Infolge dessen treten häufig Probleme auf.“ Hendriks schlug in dem Zusammenhang eine Online-Umfrage vor, um möglichst zeitnah Ergebnisse zu erzielen. Holländer befürwortete zudem die Einrichtung sogenannter „Mobility-Zentren“, die sich hochschulnah um Forscher künftig gezielt kümmern könnten. Peter Greisler vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wünschte sich mehr Wettbewerb: „Der öffentliche Dienst in Deutschland konzentriert sich ausschließlich auf das deutsche Rentensystem und richtet sich somit nicht an mobile Wissenschaftler.“

Nach der Podiumsdiskussion wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, deren Ergebnisse am zweiten Tag vorgestellt wurden. Die Arbeitsgruppen wünschten sich insbesondere mehr Informationen für die Forscher, den Aufbau eines EU-Netzwerks und die Gründung von Hochschul-Partnerschaften. Die Schaffung und Institutionaliserung weiterer „Mobility-Zentren“ wurde zudem gefordert, die mittels der bereits existierenden Mobiltiätsportale ERA-MORE und EURAXESS unterstützt werden sollten. Ackers ergänzte abschließend, dass auf Behörden mehr Druck ausgeübt werden müsste, um das Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Derzeit werden die Tagungsergebnisse dokumentiert. Eine Empfehlung an die Bildungsministerkonferenz in Leuven 2009 für mehr Freizügigkeit mobiler Forscher im Europäischen Hochschulraum wird in Kürze folgen. Die HRK hat dazu am 06.08.2008 eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Unter dem Link: http://www.hrk-bologna.de/bologna/de/home/1945_3448.php kann die Tagungsdokumentation mit Vorträgen und Präsentationen abgerufen werden. Die Konferenz ist auch vollständig als mp3-file verfügbar.


papayannakis/06.08.2008












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