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Inhalte und Diskussionsergebnisse der Tagung
1.) „Senkung des Studienabbruchs durch verbesserte Studierbarkeit“
Aktuelle Ergebnisse einer HIS-Auswertung über Ursachen des Studienabbruchs zeigen, dass besonders in den Bachelorstudiengängen der MINT-Fächer der Studienabbruch gestiegen ist. In den Geisteswissenschaften hingegen ist die Studienabbruchquote um 10 % gefallen. Die häufigsten Gründe für einen Studienabbruch liegen laut Untersuchung in Leistungs- und Prüfungsproblemen sowie mangelnder Studienmotivation. Beratungs- und Informationsangebote im Studium erzeugten Erfolge.
Zielführende Strategien von Hochschulen sind zum einen in konkreten Maßnahmen der Qualitätssicherung (wie beispw. der Dialogförderung zwischen Rektorat und Fakultäten, einem Nachweis der Fakultäten über die Studierbarkeit ihrer Studiengänge, Wettbewerben zur Qualität der Lehre etc.), des Weiteren in kulturellen Komponenten (wie z. B. der regelmäßigen Beantragung von Modellprojekten, Fakultätsübergreifende Arbeitsgemeinschaften, einer Reformtradition und starker Austauschkultur mit Studierenden etc.) sowie darüber hinaus in den Entwicklungszielen der Hochschule zu finden (wie beispw. der Qualitätsoffensive Lehre, dem Ausbau von innovativen Masterangeboten und der wiss. Weiterbildung im Sinne eines Lebenslangen Lernens).
Diskussionsergebnisse – mögliche Maßnahmen zur Senkung des Studienabbruchs:
• Ausbau der Betreuungs- und Beratungsleistungen (in der Phase Studiengangswahl und der Studieneingangsphase)
• Intensive Betreuung der Studierenden von Seiten der Dozenten
• Kleine Lerngruppen und Unterstützungsangebote von Studierenden aus höheren Semestern
• Systematische Rückkopplung von Daten aus hochschuleigenen Erhebungen zur Studiengangsentwicklung
• Studierendenbeteiligung in der Reformentwicklung
• Stoffüberfrachtung und zu kleinteilige Module vermeiden
Good-practice Therapie: Prof. Dr. Uta Wilkens, Prorektorin der Ruhr-Universiät Bochum
Praxisbezug und Mobilität: Thesenpapier von Dr. Harald Schomburg, INCHER Kassel
2.) „Auswege aus dem Praxis- und Mobilitätsdilemma“
Neueste Ergebnisse des Netzwerks Absolventenstudien verdeutlichen eine starke Unzufriedenheit der Studierenden mit dem Praxisbezug im Studium, wobei keine nennenswerten Unterschiede zwischen den traditionellen und gestuften Studiengängen festgestellt werden konnten. Gleichzeitig wurde ein beträchtlicher Arbeitsmarkterfolg der Bachelorabsolventen deutlich.
Hinsichtlich der studienbezogenen Mobilität gaben die vorgestellten Daten ähnlichen Aufschluss: Auch hier gab es keine nennenswerten Unterschiede im Vergleich zu den traditionellen Studiengängen. Die Mobilität von Studierenden nimmt mit steigenden Hochschulsemestern zu. Aufgrund der nach wie vor dünnen Datenlage ist jedoch die Vorläufigkeit der Ergebnisse zu berücksichtigen.
Hochschulen erzielen mit problemlösungsorientierter und praxisbezogener Lehre große Erfolge. Zur Steigerung der studienbezogenen Mobilität können Hochschulen insbesondere drei Strategien verfolgen: a) Systematische Anerkennung von mind. 30 – max. 60 Kreditpunkten anderer Fachbereiche und Hochschulen; b) mehr Joint Programme und c) Entschlackung überfrachteter Curricula.
Diskussionsergebnisse – mögliche Maßnahmen zum Ausbau von Praxisanteilen im Studium und zur Steigerung der Mobilität:
Praxis Mobilität
• Praxissemester bzw. Praxisphasen fest
ins Curriculum einbetten • Obligatorische Mobilitätsfenster ins Curriculum integrieren (Learning Agreements, Joint & Double Degrees)
• Praxis- und problemlösungsorientierte Lehre • Anerkennungspraxis transparent, systematisch und kompetenzorientiert gestalten (pauschale Anerkennung, EDV-Unterstützung nutzen)
• Praxiserfahrung in interdisziplinären Teams sammeln • Internationalisierung als Querschnittsaufgabe der Hochschule
Good-practice Therapie: Prof. Dr. Peter Kammerer, Vizepräsident der Hochschule München
3.) „Lösungsansätze für die Imagekrise „Bolognas““
Aus journalistischer Perspektive wurde insbesondere auf die Entwicklung der öffentlichen Darstellung des Bologna-Prozesses fokussiert. Hier sei durch die lang verfolgte, einseitige Darstellung der Bologna-Befürworter dem Reformprozess jede Authentizität genommen worden. Anfängliche Skeptiker fühlten sich nicht ernst genommen, erhielten keinen Raum zum kritischen Austausch und wechselten sodann auf die Seite der Bologna-Gegner. Ein Ausweg aus der Imagekrise scheint nur in einem ehrlichen Austausch über Probleme und Erfolge möglich.
Hochschulleitungen können mit dialog- und kommunikationsorientierten Strategien diesem Phänomen erfolgreich entgegenwirken. In diesem Zusammenhang ist gerade der Dialog mit Hochschullehrenden eine wichtige Rolle zur Problemlösung, da auch die Kritiker in der Regel das Beste aus den gegebenen Rahmenbedingungen machen möchten. Hilfestellung kann hier durch Beratung der Hochschullehrenden gegeben werden.
Diskussionsergebnisse – mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des Images der Bologna-Reform:
• Offenheit in der medial geführten Diskussion: Probleme und Erfolge benennen!
• Erfolge des Reformprozesses müssen vor Ort an der Hochschule erlebbar sein
• Beratung und Information über gestufte Studienstrukturen und ihre Abschlüsse ausbauen
Fazit
Der Bologna-Prozess leidet an übergroßen Erwartungen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist darauf zu achten, dass sowohl Probleme als auch Erfolge ehrlich dargestellt werden.
Die anwesenden Hochschulleiter verfügten innerhalb der drei behandelten „Problemfelder“ in der Regel über recht erfolgreiche Einzelkonzepte. Eine Bündelung der Einzelmaßnahmen zu gesamtstrategischen Hochschulkonzepten mit Bolognabezug schien jedoch kaum verfolgt zu werden. Die Ergebnisse sollen daher in eine Empfehlung der HRK zu Hochschulkonzepten zur Bologna-Umsetzung einfließen, um das Ansehen der Studienreform zu erhöhen und den Reformprozess konstruktiv voranzubringen.