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Jahrestagung des Bologna-Zentrums im Zeichen von Leuven– Bilanz und Perspektiven nach 2010 (18./19.06.2009)


Verstärktes Engagement aller Beteiligten gefordert – Soziale Öffnung im Fokus

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Eine flexiblere Gestaltung der Studiengänge und eine ehrliche Bilanz der bisher erfolgten Umsetzung der Aktionslinien werden zum Erfolg der Studienreform in Deutschland wesentlich beitragen. Dringend notwendig sind auch gemeinsame Anstrengungen zur weiteren sozialen Öffnung der Hochschulen. Dies ist das Fazit der Jahreskonferenz des Bologna-Zentrums der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn. Rund 200 Teilnehmer diskutierten vergangene Woche in der Redoute zum Thema „Studienreform nach Leuven – Ergebnisse und Perspektiven nach 2010“ und zogen eine Zwischenbilanz zu Bologna. Die Absichterklärung jährte sich am 19. Juni zum zehnten Mal.
Zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung merkte der HRK-Vizepräsident und Rektor der Universität Bremen, Professor Dr. Wilfried Müller, an: „Zum runden Bologna-Geburtstag wollen wir eine ehrliche Bilanz ziehen. Viele Ziele der Bologna-Reform wurden erreicht. Aber wir müssen uns insbesondere den Problemen widmen. Gerade das Thema der sozialen Öffnung ist ein schwieriges Feld in Deutschland. Wir müssen handeln, was die soziale Ungleichheit betrifft.“ Er appellierte an das besondere Engagement aller Beteiligten: „Wir sollten Kraft aufbringen diese Probleme zu lösen. DieReform wird nur gelingen, wenn wir gemeinsam an einem Strang zur erfolgreichen Umsetzung ziehen.“
Ministerialdirigent Peter Greisler vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ergänzte: „Wir müssen dazu offen und ehrlich miteinander diskutieren. Dies führt zur erfolgreichen Umsetzung des Bologna-Prozesses.“ Dr. Birger Hendriks, Bologna-Beauftragter der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) betonte, dass es keine Alternative zur Studienreform gebe. „Der Bologna-Prozess wird auch nach 2010 weitergeführt werden.“ Die Zielmarke sei allerdings nicht erfüllt worden. Dies liege nicht zuletzt auch an der Vorgehensweise der 46 Bologna-Staaten, die den Prozess unterschiedlich umsetzten.

Professor Dr. Reinhold Grimm, Vorsitzender des Akkreditierungrates, blickte in der Frage der deutschen Umsetzung von „Bologna“ zuversichtlich in die Zukunft:„Die gemeinsame Studienstruktur ist nur noch eine Frage der Zeit. Bologna hat seine visionäre Kraft in dem vergangenen Jahrzehnt nicht verloren“, erklärte er. Wichtig sei künftig die Fokussierung auf eine transparente Anerkennungspraxis sowie auf Mobilität und Beschäftigungsbefähigung. Als Aufgaben der Zukunft nannte er die Einbeziehung neuer Politikfelder, die Rückführung der Detailsteuerung und das Aufgreifen der vorhandenen Spielräume im Bologna-Prozess.
In der Podiumsdiskussion wurde auch der Bildungsstreik thematisiert. Die Moderatorin Kate Maleike vom Deutschlandfunk merkte dazu an: „Die Studierenden machen sich Luft. Sie beklagen mangelndes Verständnis und eine Überregulierung.“ Anja Gadow vom Vorstand des freien zusammenschlusses von studentInnenschaften (fzs) forderte klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten bei der Studienreform. Die Diskutanten formulierten eine Prioritätenliste für 2020: Die Umsetzung der sozialen Öffnung, mehr eigenverantwortliche Spielräume bei der Modularisierung, die Vertiefung von Lebenslangem Lernen und ein flexibleres, zur kritischen Reflexion anhaltendes Studium. Das Publikum begrüßte insbesondere die Akzentuierung auf die soziale Dimension der Studierenden.
Diese Themen wurden in Arbeitgruppen (AG) vertieft. In der ersten AG zu Fachqualifikationsrahmen machten Dr. Achim Hopbach, Akkreditierungsrat, und Prof. Dr. Michael Hoffmann, Universität Ulm und Vorstandsmitglied von 4ING, den Nutzen und die Grenzen solcher freiwilligen Initiativen der Disziplinen deutlich. Beide stimmten darin überein, dass die Qualifikationsrahmen nicht mit sog. Kerncurricula zu verwechseln sind und wohl eher für größere Fächer geeignet seien. Als Transparenz-, Orientierungs- und Reflexionsinstrumente könnten sie die Studiengangsgestaltung unterstützen und Qualitätssicherung, Anerkennung, Durchlässigkeit sowie Mobilität fördern. In der AG „Durchlässigkeit in Studiengängen gestalten“ wurden zwei Modellbeispiele der FH Osnabrück und der Universität Oldenburg diskutiert. In beiden standen Wege zur vereinfachten Anerkennungspraxis nach transparenten Qualitätsmaßstäben im Vordergrund. Die dritte AG thematisierte Änderungen in der Anerkennungspraxis für ausländische Studienleistungen und -abschlüsse durch das Lissabon Abkommen. In der Diskussion wurde  nach Wegen gesucht, wie die Grundphilosophie des Abkommens von fairer Anerkennung und gegenseitigem Vertrauen am besten an den Hochschulen umzusetzen sei.
Aus Anlass des zehnten Jahrestages der Bologna-Erklärung erinnerte sich Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär a.D. des BMBF, an das erste Bildungsministertreffen 1999, an dem er als Mitglied der deutschen Delegation teilnahm. Die Hochschulreform sei von den be-teiligten Ministern über die EU hinaus für das größere Europa konzipiert worden. Allerdings ist „Bologna“ schwierig zu vermitteln gewesen, da anfangs nicht alle Beteiligten am Tisch saßen und somit Akzeptanzprobleme in den heimischen Hochschulen auftraten. Dennoch bedeute die Studienreform eine große Chance für Europa.

Der zweite Tag stand ganz im Fokus der Zukunftsfähigkeit des Reformprozesses nach 2010. In ihrem Einführungsvortrag hob die schwedische Bologna-Expertin und Studentin der Universität Uppsala, Nina Gustafsson Aberg, die Festlegungen vergangener Bildungskonferenzen auf künftige Aktionslinien hervor. Ebenso wie andere Diskutanten und Teilnehmer sah sie in der sozialen Öffnung die Voraussetzung für den Erfolg von Bologna, auch wenn der Begriff in seiner ganzen Bedeutungsvielfalt noch immer schwer greifbar sei. Bereits auf den zurückliegenden Treffen in Berlin und Prag wurde die Wichtigkeit der sozialen Öffnung betont und erstmals in dem aktuellen Leuvener Kommunique als Ziel für 2020 verankert. Gustafsson Aberg forderte auf, intensiv an den noch nicht umgesetzten Reformelementen zu arbeiten, da es Bologna nur als Gesamtpaket geben könne.
Die drei folgenden Workshops führten die Diskussionen zu „Vielfalt als Potential für Hochschulen“  zu dem Ergebnis, dass die Datenlage zur Herkunft Studierender noch unzureichend sei, um systematisch mit Vielfalt in der Hochschule umgehen zu können. Die AG „Qualifikation für gute Lehre“ betonte im Hinblick auf die Qualifizierung der Dozenten für neue Lehr- und Lernformen neben dem Austausch mit Studierenden besonders, dass die Lehre an den Hochschulen ein höherer Stellenwert als bisher erhalten muss. Um Konzepte für lebensbegleitendes Lernen umzusetzen, diskutierte die Teilnehmer der AG „Lebenslanges Lernen als profilbildendes Konzept“, müsse eine klarere Schwerpunktsetzung in der Gesamtstrategie der Hochschulen vorgenommen werden. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden demografischen Wandels seien die Hochschulen mehr als zuvor dazu angehalten, neben den bestehenden grundständigen Studiengängen die Weiterbildung gleichberechtigt mitzudenken.
Der designierte HRK-Generalsekretär, Dr. Thomas Kathöfer, gab den Teilnehmern die zuversichtliche Botschaft mit auf dem Heimweg: „Bleiben Sie dem Prozess treu. Nur so kann die Bologna-Reform zum Erfolg führen.“
Im kommenden Frühjahr findet vor dem Hintergrund des Ministertreffens in Budapest und Wien die nächste Jahrestagung des Bologna-Zentrums der HRK statt.

papayannakis/schroeder/haeger/zervakis230609












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