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Symposium „Neue Lehre in der Informatik?“


Qualifikationsrahmen und Lernergebnisse im Fokus

Fotos der Tagung 

Berlin, 22.10.2009 – Vielfalt in der Lehre und Transparenz durch Qualifikationsrahmen (QR) schaffen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der deutschen Hochschul-informatik. Dies ist das Fazit eines vergangene Woche gemeinsamen ausgerichteten Symposiums von der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Berlin.
"Das Thema Qualifikationsrahmen ist unübersichtlich und wird meiner Meinung nach unterschätzt. Für die Hochschulen ist es allerdings nicht neu“, erklärte Joachim Metzner, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), zum Auftakt der Veranstaltung. Im Rahmen des Bologna-Prozesses sei es immer klar gewesen, dass es eine Vereinbarung zwischen allen Ländern geben müsse, wie das „Qualifikationsniveau eines Bachelors, Masters und des Doktorats auszuschauen habe. „Wir sollten allerdings wegkommen von der abstrakten Diskussion und stattdessen mehr Fachbezug hineinbringen.“ GI-Vizepräsident Ernst W. Mayr ergänzte: „Wir müssen letztendlich schauen, was die Studierenden davon haben.“ Neben den Qualifikationsrahmen diskutierten die Teilnehmer zu neuen Herausforderungen an die Lehre und über die Zukunft des Informatikstudiums nach 2010. An dem eintägigen Symposium hatten 100 Experten und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teilgenommen. 

Nach der Einführung wurden in zwei Impulsreferaten Nutzen und Grenzen von Qualifikationsrahmen aufgezeigt. Jan Rathjen, Leiter des Bereichs Bildung in der HRK, sprach über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von QR. „Der europäische und nationale QR sind bildungsbereichsübergreifende Transparenzinstrumente und können als solche eine gute Arbeitshilfe sein“, erklärte er. Im Gegensatz dazu helfen Hochschul- und Fachqualifikationsrahmen, realistische und vergleichbare Lernergebnisse für Studiengänge zu bestimmen und diese weiterzuentwickeln. Sie werden im Alltag der Studienreform eine gewichtigere Rolle spielen. Hans-Ulrich Heiß, Vorstandvorsitzender des Fakultätentages Informatik, stellte anschließend den europäischen Fachqualifikationsrahmen für Informatikstudiengänge (Euro-Inf) vor, der für die Akkreditierungspraxis entwickelt wurde. Seiner Auffassung nach sollten Qualifikationsrahmen fachbezogen sein. Sie seien schwierig zu erarbeiten und mit politischem Zündstoff ausgestattet. Auch gebe es Zweifel, dass ein objektives System möglich sei. In der anschließenden Diskussion sprachen sich die Teilnehmer für eine gemeinsame Basis aller QRs aus und wünschten sich ein ‚handhabbares’ Konzept für künftige Schritte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung berichtete Stephan Pfisterer vom BITKOM zu den Herausforderungen an die Lehre und erläuterte aus seiner Sichtweise, was gute Lehre ausmacht: Sie motiviere Studierende und verringere den Studienabbruch. Es sei aber auch Aufgabe der Lehre, den Absolventen alles zu vermitteln, was sie bräuchten, um später im Beruf die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens zu verbessern.
Anschließend stellte Ars-Legendi-Preisträger Oliver Vornberger von der Universität Osnabrück gute Praxis für neue Lehre vor und präsentierte zwei Software-Lösungen, die Studierende beim eigenständigen Lernen unterstützen. Die multimedialen Anwendungen nutzen moderne Kommunikationsmittel wie podcast über die Musikplattform iTunes oder das Netzwerk Facebook, um Studierende auch spielerisch in Lehreinheiten einzubinden.Ulrich Bühler, Vorsitzender des Fachbereichstages Informatik, referierte zum Thema Durchlässigkeit und sprach sich hierbei für die Messung von Kompetenzen durch mögliche Anrechnungsmodelle, wie das Äquivalenzverfahren und die Portfolio-Methode aus. Auch wären Prüfungsgespräche für die Anerkennung von Modulen durchaus denkbar. Durchlässigkeit sei allerdings nur mit zusätzlichen Ressourcen an den Hochschulen realisierbar. 

Im dritten und letzten Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer in der von GI-Vizepräsident Mayr moderierten Diskussionsrunde über die Zukunft des Faches. Besonders thematisiert wurde die Kompetenzorientierung der Module und der Prüfungen. Durch Kompetenzformulierungen kann die Anerkennung von Studienleistungen leichter werden. Jedoch steht die 300 ECTS Kreditpunktezahl für den Master einer angemessenen Anerkennungspraxis entgegen, weil sie starr auf Studienzeiten abhebt. Für Teilzeitstudiengänge gibt es bisher wenig gelungene Beispiele, da dazu neue organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten. Das Publikum äußerte den Wunsch sich künftig intensiver fachspezifisch über die Herausforderungen durch die Reform auszutauschen.
Zum Abschluss der Veranstaltung zog HRK-Vizepräsident Metzner Bilanz: „Qualifikationsrahmen und Lehrkonzepte müssen künftig verstärkt auf der Ebene der Fächer diskutiert werden. Wir haben es heute an dem Beispiel aus Osnabrück gesehen – gute Lehre kann Studierende spielerisch abholen. Wir sollten fördern, aber gleichzeitig auch fordern.“

Die Ergebnisse des Symposiums werden in die Vorbereitungen zum vierten IT-Gipfel Anfang Dezember in Berlin einfließen.

papayannakis/schröder/rathjen291009












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